|
Florenz und sein umland
Eigentlich bedarf Florenz keiner Vorstellung. Es ist die Stadt der Renaissance, die Stadt von Giotto und Lorenzo de’Medici, die Stadt der Ponte Vecchio und der Uffizien. Doch wenn man sie von der Höhe der Hügel aus betrachtet, die sie umgeben, bekommt die bei den Touristen aus aller Welt so beliebte Stadt ein ganz neues Aussehen.
Die Kuppel von Brunelleschi, der Flusslauf des Arno, das Dunkelgrün der Zypressen, die sich bis zu den Stadträndern hinziehen, lassen den Blick langsam nach oben streifen, wo das etruskische Örtchen Fiesole liegt und weiter über die Postkartenlandschaft von Settignano bis zu den Wäldern von Monte Morello.
Diese Landschaft, die heute fast zu nah an die Stadt gerückt ist aber noch immer tief ländlich ist und in einem Gewirr aus Olivenhainen und kleinen Bächen bis zum Mugello hin ansteigt, ist die sogenannte Florentiner Landschaft, Land der Burgen und Steinbrüche (hier wird die wertvolle Steinart „Pietra serena“ abgebaut, die zum Bau der grossen Stadtpaläste verwendet wird), Land der Tierzucht und der guten Küche.
Von hier aus stieg im 13. Jahrhundert der Hirtenjunge Angiolo di Bondone, genannt Giotto, die Weidegründe hinab und von hier kam die Familie Medici, die ein Jahrhundert später zur mächtigsten Dynastie der Stadt Florenz aufsteigen sollte, die Familie, die zum Urheber des Traumes der Renaissance wurde.
Wir hab
en sie tausendmal gesehen, und doch enthüllt die Landschaft von Leonardo und seiner Monalisa mit jedem Blick neue Details und erneuert seine Faszination. Eine Faszination, die oft räselhaft ist, und im selben Moment leidenschaftlich wie die beissende Mundart der ländlichen Regionen und der kräftige Geschmack seiner berühmtesten Gerichte, von der Pappa col Pomodoro (dickflüssige Tomaten-Brot-Suppe) über die Tortelli di patate (Kartoffelnudeln) bis hin zur Trippa (Kuddeln) und seinem noblen Steak, das, zu Ehren der Stadt, die es mehr als alle anderen zu feiern wusste, den Namen „Bistecca Fiorentina“ bekommen hat.
In Wirklichkeit ist nichts florentinischer ist als sein Umland und dessen Produkte, wo jeder Ort ein Symbol des Florentiner-Seins ist: die Terracotta von Impruneta und die scharfen Messer von Scarperia, der Wein des Chianti und der Ruffina (den mancher mit etwas Phantasie den „Chianti der Berge“ nennt) und die Krone der Medici-Villen, die überall über das Gebiet verteilt liegen und stetig die Erinnerung an eine prächtige Vergangenheit ins Gedächtnis rufen.
|
|